Da ein paar Handwerker
am Samstag für mich meine Küche aufbauen wollten, habe ich ein großes Frühstück ausgegeben. Das augenscheinliche Problem in drei Worten:
Samstag, Hektik, einkaufen.
Aber es kam anders. Der Marktkauf sollte meine Wünsche erfüllen. Auf dem Parkplatz angekommen, einen Einkaufswagen besorgt - und noch einmal zum Auto zurück, den Klappkorb aus dem Kofferraum geholt und in den Einkaufswagen gelegt. Kofferraumdeckel
[rums] zugeworfen, mit dem Einkaufswagen los und -
Unterbrechung - ein wenig Dreck mit dem Finger vom Rücklicht gekratzt.
Plötzlich von hinten ein:
"He, Sie da! Ich hab's genau gesehen!"
Ich drehe mich um.
"Jaaa? Meinen Sie mich?"
Ein älterer Herr, so um die siebzig, hastet auf mich zu:
"Tun Sie nicht so! Ich habe genau gesehen, dass sie das Auto da gerammt haben!"
"Meinen sie DAS Auto hier?" (Ich zeige auf mein Auto)
"Natürlich! Ich hab's genau gesehen! Jetzt warten wir hier auf den Fahrer!" - Er hat wohl das
[rums] vom Kofferraumdeckel und das Reinigen der Rückleuchte fehlinterpretiert. Aber da er
"ES" genau gesehen haben will, kläre ich ihn jetzt mal einfach nicht auf ...
"Nö, will ich nicht. Ich gehe jetzt einkaufen."
"SIE MÜSSEN HIER WARTEN! SONST GIBTS NE ANZEIGE!"
"Ja, ja, machen se mal. Tschüss!" und gehe weg.
"DAS WIRD EIN NACHSPIEL HABEN!" ruft er mir hinterher.
"Nachgespielt wird erst ab Viertelfinale!" antworte ich. Boah was war ich stolz auf diese Antwort.
Zwei Minuten Später, im Marktkauf:
"Der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen XX-XX 123 wird gebeten, sich bei der Information zu melden."
"Der hat doch wohl nicht?!", dachte ich - Doch! Bei der Info stand mit rotem Kopf besagter Herr.
Ich winkte mir einen Azubi heran und bat ihn, mal eine Infokraft zu mir zu bringen. Ich wollte die Sache quasi ins Endspiel eskalieren lassen.
"Fragen Sie nicht warum, es wird aber später ein Lacher im Kollegenkreis.", sagte ich ihm.
Die Dame von der Info kam tatsächlich. Ich erklärte, dass das mein Auto war, was ich auch gerne anhand der Papiere beweisen könnte - aber der alte Herr hätte mich so aggressiv falsch verdächtigt, dass ich eigentlich hoffte, er würde sich vollends lächerlich machen - also sollte Sie ruhig die Polizei rufen, falls es es wünschte.
Leider hatte die Dame Mitleid und meinte:
"Im Interesse der Gesundheit des alten Mannes und dem ungestörten Einkauf der anderen Kunden möchte ich ihn lieber aufklären."
Na gut. Keine Einwände. Ich bin ja ein Netter.
Als ich aber fünfzehn Minuten später mit meinem kleinen Einkauf
(komplettes Frühstück für fünf Personen plus Erdbeeren für mich) an der Info
vorbei wollte rief eine mir noch in unangenehmer Erinnerung gebliebene Stimme:
"Da
isser! Das ist der Rowdy!"
Überrascht drehte ich mich zur Information.
"Haben Sie ihn doch nicht
aufgeklärt?", fragte ich die Infokraft. Die Antwort, mit
etwas gequältem Gesichtsausdruck: "Doch - aber der Herr glaubt mir nicht." - "Sie wollen das hier nur unter den Teppich kehren! Der Kerl gehört bestraft.", ging der selbst ernannte Hilfssheriff dazwischen.
An dieser Stelle hatte ich ehrliches Mitleid mit dem Mann.
"Das ist mein
Auto. Wenn Sie mir nicht glauben, kommen Sie mit auf den Parkplatz, da
können Sie dann überwachen, wie ich den Wagen öffne, darin einsteige
und damit wegfahre." Auf keinen Fall hätte ich diesem Herrn
irgendwelche Papiere gezeigt - nachher fallen dem Mann noch mehr
spassige Dinge ein, die er "genau gesehen" haben will.
Er kam tatsächlich mit. Als ich die Einkäufe (bis auf die Erdbeeren) in
den Kofferraum gestellt hatte, sagte er - irgendwo zwischen kleinlaut und
ärgerlich:
"Das hätten 'se mir aber auch sagen können." [rums] (Kofferraumdeckel zu)
"DAS
Geräusch werden Sie gehört haben. Wenn Sie nicht behauptet hätten, Sie
hätten alles 'genau gesehen', hätte ich Ihnen die Sache sofort erklärt.
Ausserdem bin ich Ihnen nicht böse. Ich finde es gut, dass es noch
Menschen gibt, denen nicht alles egal ist. Möchten Sie eine Erdbeere?"
Er nahm tatsächlich eine.
"Naja - dann nichts für ungut. Auf wiedersehen."
"Auf wiedersehen." (breites Grinsen bei der Heimfahrt).
Rückfahrt zum 1a Frühstück, neue Küche, etwas Freizeit. Wochenende, ich bin da!
Nemesis
Tja, was soll ich sagen? Die Deppen sterben aus. Es passiert einfach nichts, was den Rahmen "täglicher Ärger" sprengt - also nix bloggenswertes. Ich habe übrigens dein Ziviblog mit verfolgt. Respekt. (Das aktuelle Blog werde ich mir mal am Stück zu Gemüte führen - mit einem Lexikon daneben ... soporös???)
Ansonsten meine persönliche Blogroll und Links für tägliches Entertainment:
www.bestatterweblog.de
www.shopblogger.de
www.dreibeinblog.de
www.taxiblog.de
www.der-flix.de
www.ruthe.de
http://blog.beetlebum.de
Allesamt meiner Meinung nach Spitze.
Grüße nach Süden!
Nemesis
Die meisten Einträge hier sind witzig. Bei dem hier ist das aus meiner Sicht nicht mehr der Fall. Ein wenig zu selbstgerecht.
Möglicherweise hat der Herr sich im Ton vergriffen. Sicher hätte er die Sache fallen lassen müssen, nachdem ihn die Servicekraft aufgeklärt hat. Andererseits, wenn wirklich jemand Dein Auto beschädigt hättet, dann wärst Du ihm für seinen Nachdruck sicher dankbar gewesen.
Noch bin ich nicht in seinem Alter, aber je älter ich werde, desto nachsichtiger werde ich mit älteren Leuten. Vielleicht wird man später auch mal etwas wunderlich und dann möchte ich auch mit Nachsicht behandelt werden.
In diesem Sinne - trotzdem schön zu lesen, dass das Blog noch lebt
Jedoch hat dieser Herr eine Art an sich gehabt, die mein böses Alter Ego herausgefordert hat. Das habe ich im Text nicht wiedergegeben, das hätte mir keiner geglaubt:
Er kam auf mich zu. Die rechte Hand erhoben und zur Faust geballt. Die linke Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, der Staccatoartig immer wieder auf mich zeigte. Seine Verdächtigung in einer Lautstärke, die eindeutig zu viel Aufmerksamkeit der anderen Einkäufer hervorrief. Nebenbei - er wirkte nicht schwach, gebeugt, gebrechlich oder so. Er war einfach ein Mann im Rentenalter mit vielleicht etwas erhöhtem Blutdruck :o)
Um es mal so auszudrücken: Ich war
a) zu verblüfft, um die Sache spontan und freundlich zu lösen,
b) zu sehr vor den Kopf gestossen, um die Sache zu erklären, aber
c) habe es als Herausforderung angesehen, dem Herrn eins auzuwischen.
Im Nachhinein, wäre es sicher einfacher gewesen, mich zu bedanken und die Sache zu erklären. Aber auch, wenn ich im Blog gern über andere Menschen herziehe, bin ich doch auch bloss einer von Ihnen.
Und nachsichtig bin ich sonst auch. Mein Opa (85!!!) ist nach eigenen Worten "so alt geworden, dass er ruhig ein wenig wunderlich sein darf". Und er ist es. Und er darf es.
Beim nächsten mal vielleicht wieder eine Beobachtungs- und keine Verarschungsgeschichte!
Grüße
Nemesis